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2026-08-29 15:41:29 +02:00

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Die Bibliothek
Kurz nach der Entdeckung der Bibliothek hat der Konvent der Arkane eine großangelegte Expedition gestartet. Gustavo ist ein bekannter Name in Bandon, deswegen wurden wir als Barden angeheuert. Nicht nur, um die Moral hochzuhalten, sondern auch, um im Nachhinein die Wunder der Bibliothek an das Volk zu tragen. Denn nur mit Unterstützung in der Gesellschaft, nur wenn die Völker verzaubert und begeistert von der Bibliothek sind, werden genug Mittel für deren Erforschung frei. Während unserer Reise zur Bibliothek haben wir die Gruppe mit unseren Liedern und Geschichten über große Abenteuer und tapfere Helden unterhalten. Für die meisten waren das nur willkommene Hintergrundgeräusche, während sie den Abend am Lagerfeuer ausklingen ließen. Aber mit der Zeit ist mir aufgefallen, dass ein Junge jeden Abend in der Nähe von uns saß und gespannt Wort für Wort aufgesogen hat. Eines Abends entschied ich, mich zu ihm zu setzen. Man soll seine Fans ja schließlich wertschätzen. Sein Name war Ludwig Läufer, ein Buch Wurm wie er … im Buche steht. Groß und schlaksig, nicht sehr erfahren im Umgang mit Worten … oder Menschen. Das war seine erste Außenexpedition. Obwohl er schon seit Jahren in der Kartographie Abteilung des Konvents hart gearbeitet hatte, wurden seine Expeditionsanträge stets abgelehnt. Doch nun bekam er durch einen Zufall die Chance, Praxiserfahrungen zu sammeln.
Normalerweise hätte ich es dabei belassen, ihm noch ein letztes Lächeln geschenkt und mich wieder um meine Angelegenheiten gekümmert. Aber … irgendetwas hat mich gestört, ich empfand wirklich Sympathie für ihn, und da war auch diese Wut…
Egal wie hart er gearbeitet hat, egal wie gut seine Ergebnisse waren. Seine Vorgesetzten haben ihn nur belächelt und seine Erfolge als ihre eigenen gefeiert. Ihm wurde die Anerkennung verwehrt, die ihm zustand … genau wie mir. Während der Expedition haben wir uns immer besser verstanden und ich habe versucht, ihm zu helfen, etwas selbstbewusster aufzutreten. Obwohl ich, glaube ich, wirklich kein guter Lehrer war, konnte er doch etwas mehr Respekt bei seinen Kollegen einfordern. Ohne, dass ich es zuerst bemerkt hätte, hat sein Fortschritt mich selber ins Grübeln gebracht. Nachdem ich meinen Stamm verlassen hatte, war ich losgezogen, um magische Artefakte zu bergen und mir so Anerkennung zu verschaffen. Und obwohl ich dieses Ziel immer vor mir hatte, so habe ich es doch über die Jahre aus den Augen verloren. Was mein Feuer dann letztendlich wieder vollkommen entfacht hat, war die Bibliothek.
Diese scheinbar endlose Sammlung arkaner Schriften und mythischer Texte hat mir die Augen wieder geöffnet. Unsere Welt ist so groß, es gibt noch so viel zu entdecken, so viel verlorenes Wissen, das selbst den ältesten Elfen kein Begriff ist. Schon auf dem Rückweg von der Bibliothek habe ich mit neuem Eifer die nächste Erkundung geplant, Ludwig hat mich dabei mit seinem großen Wissen über die Welt und die Magie unterstützt. Irgendwie muss ich damit Gustavo aber überfordert haben. Nach den vielen Wochen auf Reise wollte dieser einfach nur noch entspannen. So langsam, aber sicher wurde uns beiden bewusst, dass das, was wir wollen, einfach nicht mehr das selbe ist. Deshalb haben sich unsere Wege danach leider getrennt.